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Daniel G.
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Anmeldedatum: 20.09.2002
Beiträge: 737

Bastardisierung/Hybridisierung
Verfasst am: 19.07.2003, 16:22

Hallo liebe RT-Gemeinde,

ich bin passionierter Schlangenhalter und beschäftige mich seit sechs Jahren ausschließlich mit einer Gattung dieser Tiere, thamnophis. Trotzdem gucke ich ab und zu über meinen selbst gebauten Tellerrand hinweg und betrachte andere Bereiche der Terraristik.

Bei meiner folgenden Fragestellung geht es eher um eine moralische Grundsatzdisskusion, die sehr hitzig geführt werden kann, aber nicht muss. Ich bitte alle Teilnehmer darum vor dem absetzen eines Posts folgendes zu tun und abzuwägen: Habe ich mich mit dem Thema selber schon ausreichend beschäftigt. Weiß ich, worum es im biologischen Sinne geht. Kenne ich die Abläufe der Evolution in diesem Zusammenhang. Kenne ich mich in den Begrifflichkeiten aus.
Wer diese Fragen ehrlicher Weise mit nein beantworten muss ist hiermit allerdings nicht von dieser Disskusion ausgeschlossen. Ganz im Gegenteil würde ich mich freuen, wenn wir hier neben der eigentlichen Disskusion auch Fragen zum Thema und somit Grundlagen für die eigene, fundierte Meinungsbildung geben könnten.

Aus der Threadüberschrift geht hervor, worum es mir hier geht: um die Bastardisierung und Hybridisierung unserer Schützlinge. Zum einen möchte ich hier klären, ob dieses Problem nur in der Schlangenhaltung existiert oder ob auch aus anderen Bereichen dieses Thema bekannt ist, z.B. bei den Echsen, Amphibien, Spinnen, etc.?

Zum anderen möchte ich gerne Eure Gedanken hierzu erfahren. Wie steht Ihr hierzu? Wie handelt Ihr oder würdet Ihr handeln und warum. Wo sind Eure Grenzen und alles Weitere zum Thema!

Über eine rege Disskusion würde ich mich sehr freuen, da mir dieses Thema zur Zeit extrem wichtig erscheint und in den Köpfen aller Terrarianer präsent sein sollte.

Meine Einstellung hierzu kann ich kurz zusammenfassen:

Bastardisierung und Hybridisierung sollte vom Terrarianer IMMER vermieden werden. Auch irgendwie geartete Zuchtziele entschuldigen solch eine Verpaarung nicht. Selbst wenn bekannt ist, dass sich manche Unterarten in bestimmten Verbeitungsgebieten ab und zu über den Weg laufen und durchaus verpaaren entschuldigt dies meiner Meinung nach nicht dies auch im Terrarium nach zu ahmen.

Schwieriger wird es, wenn es um die Arterhaltung geht, aber alleine die Bezeichnung Arterhaltung liefert schon den einzig richtigen Schluss in diesem Bereich. Z.B. stehen thamnophis sirtalis tetrataenia in der freien Natur kurz vor dem Aussterben. In den europäischen Terrarien existieren noch geschätzte 500 Tiere dieser Art. Alle diese Tiere sind schon in der F5-9 nachgezüchtet und unterliegen somit sehr hoher Inzuchtdepression. Manche Halter möchten nun die nahe Verwandte thamnophis sirtalis infernalis zur Blustauffrischung einkreuzen um tetrataenia zu erhalten. Unmöglich meiner Meinung nach. Durch das Verpaaren dieser beiden Unterarten entstehen völlig neue Tiere, die mit den Ursprungstieren höchstens noch das Aussehen gemein haben. Von einer Arterhaltung kann hier nicht die Rede sein. Somit verbietet sich auch das Ziel der Arterhaltung um eine Hybridisierung/Bastardisierung zu legitimieren.

Soweit von mir. Nun wünsche ich mir möglichst viele Beiträge der anderen Forenuser.

Viele Grüße,

Daniel


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Anonymous
Gast





Verfasst am: 19.07.2003, 18:37

Hallo Daniel, hallo liebe Terrarianer,

nun, wie ich finde, handelt es sich hier um ein Thema, das sehr weittragend sein kann und vor allem ethische Gesichtspunkte das wirklich Interessante daran sind.

Ich will ausnahmsweise mal versuchen, mich zu diesem Thema kurz zu fassen

Wenn man sich mit der Evolutionsgeschichte und der dazugehörenden Genetik, Taxonomie, Systematik und Phylogenie vertraut macht, dann sieht man, daß Bastardisierung / Hybridisierung einer der Punkte ist, der die heutige Artenvielfalt ausmacht. Sicherlich ist das nicht der wichtigste Punkt der Evolutionsgeschichte und trägt nur zu einem sehr geringen Anteil zur Artenbildung bei, da verschiedene Mechanismen vorgegeben sind, Hybridisierung zu vermeiden. Seien es räumliche Trennung, unterschiedliche Paarungszeiten, verschiedenes Paarungsverhalten bis hin zur Inkompatibilität der Sperma/Eizellen.

Und doch kommt es vor, insbesondere innerhalb von Gattungen. Die frühen Zeiten der Taxonomie beschäftigte sich mit einfachen Strukturen (hat 2 Zehen, hat 1 Zeh), die heutigen Systematiker beschäftigen sich meist mehr auf Basis der Zellunterscheidung, molekuarer Aufbau und insbesondere der vorhanden Proteine.
Schaut man aus dem Gesichtspunkt heraus in den Aufbau einer Gattung hinein, so findet man mitunter extrem hohe Ähnlichkeiten, bis hin zur völligen Kompatibilität. Insbesondere sind die DNS-Strukturen meist geich lang und weisen nur an wenigen Genorten Unterschiede auf.

Die nordamerikanischen Erdhörnchen zum Beispiel, die in der mittleren USA ihren Lebensraum finden, liegen dort in vier Arten vor, zwei dieser Arten sind sexuell nicht kompatibel miteinander, aber jeweils mit den anderen beiden, die wiederum mit allen kompatibel sind. Dort ist es an der Tagesordnung, daß in Randbereichen eine Bastardisierung erfolgt und selbst die beiden inkompatiblen Arten über die beiden anderen Arten Genmaterial miteinander austauschen. Dieser Genaustaausch ist nicht uninteressant zur Arterhaltung, dient er doch dazu, Inzuchtschwächen zu minimieren und die Arten an die sich langsam ändernden äußeren Bedingungen besser anzupassen.

Nun aber zu der von mir angesprochenen Ethik.
Was will der Terrarianer oder allg. Tierhalter mit der Pflege gewisser Arten erreichen?
Artenschutz, Schutz bedrohter Arten vor dem Aussterben, Verhaltensstudien,...
Unter diesem Gesichtspunkt heraus muß natürlich die Hybridisierung ganz klar verurteilt werden.
Aber das rechtfertigt wiederum auch keine Inzucht, die man zwar aus einer Inselpopulation heraus begründen könnte, jedoch wirkt im Terrarium nicht die natürliche, von Darwin beschriebene Selektion. Also muß man diese Inzucht verurteilen, da sie nicht die natürlichen Gesetze (survival of the fittest) beachtet.

Geht man jedoch in andere Bereiche, so sieht man, daß wir tagtäglich mit Hybridisierung/Bastardisierung zu tun haben. So ist z.B. das Getreide, das u.a. ein Teil unserer Grundnahrung darstellt (Mehl, Brot,...) eine Bastardisierung verschiedener Getreide- und Gräserarten, die schon vor tausenden von Jahren gezielt gezüchtet wurden, bis hin zu unserem heutigen "Hochleistungsgetreide". Desweiteren mag ich Hunde und Katzen erwähnen, viele der heutigen "reinrassigen Arten" sind nichts anderes als spezielle Züchtungen von Merkmalen, die man u.a. nur durch Bastardisierung erreichen konnte. Ich denke, ich belasse es jetzt hier mit diesen Beispielen, es lassen sich noch unzählige weitere finden.

Die Frage, die sich jeder stellen muß, ist doch die: Wo ist es gerechtfertigt zu Hybridisieren, was will man damit bezwecken, wo bzw. inwieweit ist es zu verantworten.
Wo ist der Unterschied zwischen der Hybridisierung von Schlangen und Weizen? Warum läßt es sich bei dem einen ethisch vertreten, bei dem anderen aber nicht? Läßt es sich überhaupt vertreten, oder kann man gar sagen, man darf es weder hier noch da ablehnen. Ich denke, in diesen Fragen liegt der Knackpunkt dieser Diskussion.

Viele Grüße
Jochen

_________________
 
Anonymous
Gast





Verfasst am: 21.07.2003, 11:25

imo hat kaum ein terranianer die möglichkeiten die folgen von inzucht (=bastardisierung, nicht wahr?!) etc wirklich zu testen.

prinzipiell denk ich, das es für manche arten sicher die einzige rettung ist..
doch dann von profi "gesteuert" und nicht hobbymässig

noch ein weiters beispiel erfolgreicher hybridisierung:
maultiere: pferd + esel, allerdings sind die unfruchtbar...

und bei pflanzen machen wir (die menschen) es dauern, rosen züchter leben quasi davon...
 
Anonymous
Gast





Verfasst am: 21.07.2003, 11:40

Hi Stone,

nein, Inzucht und Bastardisierung haben nichts miteinander zu tun. Bastardisierung und Hybridiserung liegen ganz nahe beieinander, ich denke, wenn man es nicht zu wissenschaftlich betrachtet, kann man das gleichsetzen.
Inzucht jedoch ist eine ganz andere Geschichte, da geht es mehr darum, Geschwister miteinander zu verpaaren, Beckbreeding mit den Eltern oder Großeltern....
Das läßst sich definitiv vermeiden!

BTW, ich bin der Meinung, daß eine gezielte Hybridisierung bei seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten durchaus sinnvoll sein kann - dann aber von jemandem, der genetisch über die entsprechenden Arten bescheid weiß. Nur so lassen sich bei manchen Arten die Folgen von Inzucht dauerhaft vermeiden. Aber wie gesagt, man sollte genau wissen, was man tut!

Das Beispiel mit den Maultieren ist eine der natürlichen Schutzfunktionen gegen Hybridisierung, wie ich es oben angesprochen habe, jedoch postmature, was ich nicht erwähnt hatte....

Gruß
Jochen
 
Anonymous
Gast





Verfasst am: 21.07.2003, 14:42

Hallo, könnte mir vielleicht jemand erklären worin denn genau der Unterschied zwischen der Bastardisierung und der Hybridisierung besteht?
Matthias

_________________


 
Anonymous
Gast





Verfasst am: 22.07.2003, 18:44


also ich werde mich so weit ich kann vor mischlingszuchten hüten...ich denke da ist in den letzten dreißig jahren genug passiert.ich stelle mich liebend gern und leidenschaftlich an die front der verantwortungsbewußten züchter.
 
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Tags: bastardisierung, hybridisierung, evolution, terraristik

 
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